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Wann muss ich den Tierarzt rufen? Wie verhalte ich mich bei Notfällen?

Mit einem Pferd ist es fast wie mit einem Kind: man sorgt sich permanent um seine Gesundheit und sein Wohlbefinden. Und natürlich fragt man sich auch oft: "Muss ich jetzt den Tierarzt rufen?"

Wie weiß man aber, wann man den Tierarzt rufen muss? Wie kann man selbst feststellen, was sogar ein Notfall ist und was nicht?

Im Grundsatz sollte für Sie gelten: Wenn Sie nicht sicher sind, rufen Sie ihren Haustierarzt an und fragen Sie ihn! Auch wenn der Tierarzt dann feststellt, dass ein Besuch nicht nötig ist, können Sie ruhigen Gewissens sein und werden dann auf jeden Fall über einige Informationen verfügen, wie Sie mit der jeweiligen Situation nun umzugehen haben.

Da Sie im Laufe der Zeit immer vertrauter mit ihrem Pferd werden, sind Sie immer besser in der Lage, selbst zu bestimmen, wann Ihr Pferd tierärztliche Hilfe benötigt und wann Sie selbst helfen können.

Krankheiten kann man aber nur erkennen, wenn man weiß, wie sich gesunde Pferde verhalten.

Einige Merkmale eines gesunden Pferdes:

  • Aufmerksamkeit und Anteilnahme an der Umwelt,
  • klare Augen, lebhaftes Ohrenspiel, Abwehr von Fliegen,
  • freie Bewegung mit gleichmäßiger Belastung aller Gliedmassen,
  • ungestörte Futter- und Wasseraufnahme und
  • regelmäßiger Kot- und Harnabsatz.

Allerdings gibt es hier nicht nur rasse- und altersbedingte sondern auch deutliche individuelle Unterschiede.

Deshalb ist es für Sie wichtig zu wissen, was bei ihrem Pferd alles normal ist.

Dazu gehört es z. B. wiederholt zu überprüfen, wie hoch beim unbelasteten Pferd Pulszahl und Körpertemperatur sind und wie oft es in einer Minute atmet. Die Pulszahl wird an der Arterie gemessen, die sich vor der Ganasche um den unteren Rand des Unterkiefers schlägt. Die Messung der Körpertemperatur erfolgt im After. Zur Ermittlung der Atemfrequenz stellt man sich am besten schräg hinter das Pferd, wo die seitliche Bewegung der Brust bei der Atmung gut zu sehen ist. Ihr Tierarzt zeigt Ihnen gern die richtige Vorgehensweise Diese Werte sollten Sie in die folgende Tabelle eintragen:

 Köpertemperatur
mit Fieberthermometer gemessen (Grad Celsius)

 Herzschläge / Puls
(Anzahl pro Minute)

  Atemzüge
(Anzahl pro Minute)

Normale Werte
bei einem gesunden
Pferd in Ruhe:


37,0 - 38,0


28 - 40


8 - 14

Normale Werte
bei meinem Pferd
in Ruhe

__________________
(Name)

 

 

 

Die regelmäßige Pflege Ihres Pferdes ist eine gute Gelegenheit, sich über seinen Gesundheitszustand ein Bild zu machen. Beim Striegeln kann man das Tier beispielsweise auch auf Wunden, Abschürfungen, Stellen mit vermehrter Wärme und Schwellungen überprüfen.

Bevor Sie den Tierarzt rufen.

ist es wichtig, möglichst viele Informationen zusammen zu tragen, die Sie dem Tierarzt dann am Telefon mitteilen können, zB:

  • Werte für Körpertemperatur, Puls und Atmung,
  • Bei Verletzungen: wo und ungefähre Ausmaße,
  • Verhaltensweise: sieht das Pferd niedergeschlagen aus oder scheint es erregt und unruhig zu sein? Schwitzt es? Treten Krampfzustände auf?
  • Bei Lahmheiten: Welches Bein ist betroffen? Wird es noch belastet? Wann wurde die Lahmheit zuerst beobachtet?
  • Bei Schwellungen: Wo ist die Schwellung und ist dort vermehrte Wärme feststellbar? Ist die Schwellung bei Fingerdruck schmerzhaft? Ist sie weich und teigig?
  • Welche Anzeichen für Erkrankungen werden noch beobachtet (Nasenausfluss, Husten.)

Wann muss sofort der Tierarzt angerufen werden, weil eine unverzügliche Behandlung erforderlich ist? Dafür einige Beispiele:

  • Bei allen deutlichen Störungen des Allgemeinbefindens,
  • Bei Fieber (geringes F.: 38,1-39,0; mittleres F.: 39,1-40,0; hohes F.: >40,1°C),
  • Störung der Futter- und Wasseraufnahme, verzögertem oder ausbleibendem Kotabsatz, Einnahme unphysiologischer Körperhaltungen (z.B. Umsehen nach dem Leib, Streckstellung),
  • Verletzungen, Wunden, Blutungen, Schwellung,
  • Lahmheiten oder Bewegungsstörungen,
  • Augenerkrankungen

Notfallsituationen haben die höchste Dringlichkeit in der Behandlung . Sie sind potentiell lebensbedrohlich und verlangen möglichst schnelle tierärztliche Hilfe.

Hier ist es besonders wichtig, den Tierarzt ausreichend über die bestehende Situation zu informieren.

Notfälle gehen mit schweren Störungen des Allgemeinbefindens einher. Beispiele:

  • Umfangreiche Verletzungen, stark blutende Wunden,
  • •  Plötzliche starke Lahmheiten oder Bewegungsstörungen,
  • Hochgradiges Fieber,
  • Starke Unruhe und Schmerzäußerung, häufiges Niederwerfen und Aufstehen, Wälzen (z.B. bei Kolikerkrankung),
  • Hochgradige akute Atemnot, anhaltende Hustenanfälle, Auswurf,
  • Plötzliches Zusammenbrechen, Festliegen,
  • Plötzliche starke Durchfälle.

Die vorstehenden Listen sind natürlich nicht erschöpfend. Im Zweifelsfall gilt immer:
Besprechen Sie die Situation mit Ihrem Tierarzt!

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